Kaum lesen wir wieder eine Meldung, wo ein Stromkabel oder eine Mülltonne angeblich von sogenannten Linksextremisten in Brand gesetzt wurde, da fliegen sie wieder – die Hufeisen.
„Ich bin gegen jede Gewalt – egal ob links oder rechts!“ tönt es umgehend aus der goldenen Mitte. Und auch viele sonst als links betitelte Menschen beteuern um die Wette, wie friedliebend sie doch sind.
Was stimmt mit euch nicht?
Natürlich wollen wir friedlich miteinander leben. Natürlich setzen wir uns dafür ein, in einer Welt zu leben, in der die Grundrechte eines jeden Menschen einschließlich der körperlichen Unversehrtheit respektiert und geschützt werden. Gundsätzliche Ziele und Ideale des Antifaschismus.
Aber wir sind nicht realitätsfremd. Seit Menschen Gedenken gibt es Egoismus, Gier und Intoleranz. Grundzüge im Kapitalismus und Faschismus. Grundzüge, die in zunehmendem Maße ein friedliches Miteinander torpedieren und das Potential entwickeln, jede Demokratie in eine faschistische Gesellschaftsform zu verwandeln.
Wie das Toleranz-Paradoxon uns warnt und lehrt, gibt es hier nur eine Lösung. Und diese Lösung heißt nicht bedingungsloser Pazifismus – diese Lösung heißt, sich zu wehren. Mit Gesetzen, mit Ethik und letztendlich auch mit angemessener Gewalt. Über die Art und das Maß dieser Gewaltanwendung kann – ja muss – man sicherlich diskutieren und immer wieder nachjustieren.
Eines steht jedoch fest: Freiwillig streicht der Faschismus seine Segel nicht!
Das hat seinerzeit Georg Elser schon erkannt. Und der D-Day war kein gewaltfreier Kindergeburtstag! Auch heute wird uns von unseren Zeitgenossen täglich eindrucksvoll gezeigt, dass Diplomatie und friedliches Aufeinanderzugehen ihre Grenzen haben.
Gewaltfreiheit ist wünschenswert, sicherlich ein Ideal. Aber leider auch eine Utopie.
Dabei „linke“ und „rechte“ Gewalt in einen Topf zu werfen und in einem Atemzug zu nennen, ist jedoch nicht nur zu kurz gedacht, sondern brandgefährlich. Linke Gewalt richtet sich gegen den Faschismus, gegen ein politisches Symptom. Rechte Gewalt richtet sich gegen Menschen und deren Grundrechte.
Man kann im Einzelfall immer darüber diskutieren, ob das Maß oder die Art der linken Gewalt sinnvoll gewählt wurde. Aber fallt damit nicht Menschen in den Rücken, die sich wie ihr für eine antifaschistische Gesellschaft einsetzen.
